EnEV im Gebäudebestand

Die Energieeinsparverordnung

Der Gesetzgeber hat für den Energiebedarf von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden Obergrenzen festgelegt. Hierfür wurde 1977 erstmals eine Wärmeschutzverordnung erlassen. Im Jahr 2002 wurde die Wärmeschutzverordnung abgelöst durch die Energieeinsparverordnung [EnEV]. Gebäude müssen zwei Grenzwerte einhalten. Ein Grenzwert betrifft den Gesamtbedarf an Primärenergie. Primärenergie ist die Energie, die von der Quelle (dem Bohrloch) über eine ganze Kette von Zwischenstationen ins Haus gelangt, um hier verbraucht zu werden. Der zweite Grenzwert betrifft die Qualität der thermischen Gebäudehülle in Form eines "Transmissionswärmeverlust-Koeffizienten".


Energieausweis bei Verkauf und Vermietung

Die energetischen Eigenschaften eines Gebäudes werden dargestellt in Form eines Energieausweises. Jeder Eigentümer eines Gebäudes - sei es ein Wohngebäude oder ein Nichtwohngebäude - ist verpflichtet den Mieter oder Kaufinteressenten über die energetischen Eigenschaften des Gebäudes aufzuklären und den Energieausweis vorzuweisen. Die energetischen Eigenschaften können in Form eines verbrauchsorientierten Ausweises oder in Form eines bedarfsorientierten Ausweises dargestellt werden. Für Gebäude, die vor dem 31.10.1977 gebaut wurden, gibt es diese Wahlmöglichkeit nicht. Sie benötigen einen bedarfsorientierten Energieausweis. In Immobilienanzeigen stehen dann zum Beispiel die folgenden Angaben:

"Bedarfsausweis; Fernwärme 130 kWh/m²a; Strom 19 kWh/m²a; Baujahr 1984"

Verbrauchsausweis

Bei einem Verbrauchsausweis wird der gemessene und durch Rechnung nachgewiesene Energieverbrauch von 36 aufeinanderfolgenden Monaten bilanziert und auf eine fiktive EnEV - Nutzfläche umgerechnet. Hierfür kann man von bekannten Flächenermittlungen, wie der Wohnflächen- oder der Nutzflächenermittlung ausgehen. Bei Wohngebäuden sind für die Bilanzierung die Verbräuche für Heizung und Warmwasser maßgeblich.
Bei Nichtwohngebäuden, wie Büros, Gewerbehallen, Werkstätten usw. wird die Energie bilanziert, die für Heizung, Lüftung, Klima und Beleuchtung aufgewendet wird. In den meisten Fällen sind diese Verbräuche nicht getrennt erfasst worden, sodass man keine Datenbasis hat. Die unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten der Bewohner eines Wohnhauses können bei dieser Ausweisart nicht herausgerechnet werden. Wie soll man denn vorgehen, wenn eine ältere Dame zwar alleine wohnt (Leerstandserfassung!), aber dennoch das 200 qm große Eigenheim voll beheizt?
Bei vielen Wohngebäuden und bei vielen gewerblich genutzten Gebäuden sind die notwendigen Daten über Flächen nicht vorhanden und müssen mühsam recherchiert bzw. "ausgegraben" werden. Unter diesen Umständen entsteht dem Eigentümer und dem Energieausweis-Aussteller ein erheblicher Aufwand. Der Verbrauchsausweis ist deshalb nicht preiswert, sondern nur mit großem Risiko behaftet.



Bedarfsausweis

Für die Erstellung eines Bedarfsausweises werden alle Energieströme eines Gebäudes bilanziert. Es gibt wesentliche Verfahrensunterschiede zwischen Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden (siehe hierzu den Artikel zur DIN 18599). Bei der Aufstellung eines bedarfsorientierten Energieausweises werden je nach Gebäudetyp Energieverluste durch Transmission, Ventilation, Beleuchtung, Heizung und Warmwasserbereitung und Energiegewinne durch Interne Gewinne und Sonneneinstrahlung berücksichtigt. Die meiste Arbeiten entsteht durch die Vermessung der gesamten thermischen Gebäudehülle , die Aufteilung in Teilflächen mit unterschiedlichen Wärmedurchgangseigenschaften und die Ermittlung dieser Wärmedämmeigenschaften. Jedes Gebäude hat seine eigenen "Grenzwerte" die durch die Geometrie und die Anlagentechnik vorgegeben werden und denen es genügen muss. Die Berechnungen erfolgen im "Monatsbilanzverfahren" und bilden den Energiebedarf eines Gebäudes im Sommer und im Winter ab. Die Berechnungen erfolgen auf "normativer Basis", das heißt, alle Gebäude sollen mit den gleichen Randbedingungen vergleichbar gemacht werden. In der Praxis bedeutet dies, dass es erhebliche Unterschiede zwischen dem errechneten Bedarf und dem gemessenen Verbrauch geben kann. Es gibt Abweichungen von 30 bis 40 % nach oben oder nach unten, je nach tatsächlicher Nutzung oder den Nutzungsgewohnheiten. Das Verfahren ist dennoch sinnvoll, weil es "Wärmesenken" und "Wärmequellen" richtig darstellt. Die Verhältnisse untereinander geben Auskunft über die starken und schwachen Seiten eines Gebäudes, sodass die Bedarfsermittlung die Basis ist für eine Energieberatung. Das ist der Mehrwert, mit dem ein Kunde rechnen kann, wenn er einen bedarfsorientierten Energieausweis bestellt. Ein bedarfsorientierter Energieausweis ist aufwändig und deshalb nicht preiswert, aber die kleine Energieberatung sollte drin sein.

Ausweisregistrierung

Seit Mai 2014 werden Energieausweise und Inspektionsberichte für Klimaanlagen registriert beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBT). Damit verbunden sind stichprobenhafte Kontrollen. In einem dreistufige Verfahren für Energieausweise und einem einstufigen Verfahren für Inspektionsberichte von Klimaanlagen werden die Plausibilität der Ergebnisse überprüft. Bei einer geringen Anzahl werden vollständige gutachterliche Nachberechnungen vorgenommen. Dieses Verfahren wurde eingeführt, weil man in den Jahren zuvor festgestellt hatte, dass ein großer Teil der überprüften Energieausweise schwerwiegende Mängel enthielt. Zur Vermeidung von Fälschungen werden die Energieausweise über eine spezielle Druckapplikation erzeugt und die zugrundeliegende Berechnung für eine weitere Bearbeitung gesperrt.

Die Bedeutung des Energieausweises

Energieausweise sind Dokumente mit großer rechtlicher Tragweite. Käufer oder Mieter können bei fehlenden oder bei falschen Angaben von einem Vertrag zurücktreten oder Schadensersatz fordern. Wegen der bereits genannten methodischen Schwächen der beiden Ausweisarten gibt es Stimmen, die den Energieausweis für sinnlos halten. Ich halte den Energieausweis dennoch für ein gutes politisches Steuerinstrument. Jeder Eigentümer und jeder Nutzer wird mit den energetischen Qualitäten seines Gebäudes konfrontiert - auch wenn die Fehlermarge zugegebenermaßen sehr groß ist. Statt allgemeiner Beteuerungen über die Energieverschleuderung der Anderen wird dem Einzelnen die Verantwortung deutlich, die er für sein Eigentum trägt. Jeder hat es in der Hand seinen Teil dazu beizutragen, dass diese Welt auch für unsere Kinder lebenswert ist.

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