Dämmen, ja - nein

Gedanken zum Thema

Als vor 10 - 15 Jahren alle Welt von der Notwendigkeit sprach, Häuser zu dämmen, waren wir nicht nur erfüllt von dem Gedanken, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Wir konnten uns auch ausrechnen, dass sich die Maßnahme in einem Zeitraum von 10 - 15 Jahren amortisieren würde. Seitdem die Fracking-Technik dazu führte, dass die US-amerikanische Petro-Industrie den Ölpreis niedrig halten kann, ist es still geworden an der Dämm-Front. Niemand hat mehr Angst vor "peak-oil" und bei den vorherrschenden Preisen und Zinssätzen kann niemand mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen vom Sinn einer Investition überzeugt werden. Aber ist "cash-back" das einzige Argument für Dämmmaßnahmen?

Versorgungssicherheit

Im Jahr 2007 wurde ein Einfamilienhaus energetisch saniert und hierfür eine Amortisationsdauer ermittelt, die im Wesentlichen abhängig war von der erwarteten Energiekostensteigerung. Angenommen wurde damals 6 - 10%. Auf dieser Basis betrug die Amortisationsdauer 12 - 15 Jahre.



Nach neun Jahren können wir feststellen, dass der Ölpreis von 52,80 €/100L im Jahr 2007 gefallen ist auf 46,10 €/100L. Die erwartete Preissteigerung ist nicht eingetreten, im Gegenteil, der Preis ist gefallen. Wir sehen aber auch die Preissteigerung im Jahr 2008 mit einer Spitze bei 97,20 €/100L. Die Energiepreise sind Achterbahn gefahren, weil die Preisbildung abhängig ist von politischen Entwicklungen. Was heute noch richtig scheint, kann morgen falsch sein. Und übermorgen wieder richtig.
Die Preisentwicklung zeigt uns, dass nicht "Amortisation" das wesentliche ökonomische Thema ist, sondern "Versorgungssicherheit". Je weniger Energie wir konsumieren, desto geringer ist der Einfluss der zukünftigen Verfügbarkeit der Rohstoffe und der daraus abgeleiteten Preisschwankungen auf unser Dasein.

Es gibt zur Erreichung dieses Ziels "passive" und "aktive" Strategien. Eine passive Strategie ist die Vermeidung des Verbrauchs, also dämmen und warm anziehen. Eine aktive Strategie ist der Einsatz erneuerbarer Energien. Dann kann man mehr verbrauchen, weil man genug davon hat. Aus energetischer Sicht sind die passiven Strategien sinnvoller, weil man nur einmal eine große Anstrengung unternimmt - im Gegensatz zur aktiven Strategie, die mit laufenden Kosten und Mühen verbunden ist durch den Einsatz von Geräten und Hilfsenergien. Deshalb sagt man "Dämmen geht vor Heizen".

Die "Umwelt" - Kosten

Es ist bedauerlich, dass über CO2 nur noch auf großen Konferenzen gesprochen wird. Der Ausstoß dieses Treibhausgases durch unsere Gebäudeheizung kann nur reduziert werden, indem wir den Energieverbrauch der Gebäude reduzieren. Es gibt einige Kritiker, die darauf hinweisen, dass für die Herstellung von Dämmstoffen und die Anbringung der Systeme auch Energie aufgewendet werden muss. Das ist richtig. Dennoch bleibt die Bilanz positiv. Dämmen ist aktiver Umweltschutz.

Die "Sowieso" - Kosten

Regelmäßig sind zur Bauwerksunterhaltung größere Maßnahmen erforderlich. Flachdächer, die neu eingedichtet werden müssen, zugige Steildächer ohne Klimabremse oder Unterspannbahn, Dachausbau mit Gauben, Außenwände mit Putzschäden und renovierungsbedürftigem Anstrich. Bei diesen Maßnahmen entstehen hohe "Sowieso-Kosten" für die Einrichtung der Baustelle und die Gerüststellungen. Es ist sinnvoll, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Gebäude nach dem Stand der Technik zu dämmen.

Der "Komfort-Wert"

Unabhängig von den ökonomischen Kosten tragen gedämmte Häuser erheblich zu unserem Wohlbefinden bei, weil es keine kalt abstrahlenden Außenwandflächen gibt. Wenn alle Flächen gleichmäßig warm sind, können sich auch keine Luftwalzen bilden, die als Zugluft wahrgenommen werden. Wenn unsere Füße auf einem warmen Fußboden stehen, haben wir das Bedürfnis, die Raumlufttemperatur zu reduzieren. Wir sparen hierdurch nochmals Energie, ohne dass wir es wahrnehmen.



Hygiene in gedämmten Gebäuden

Schimmel bildet sich an Stellen, die dauerhaft eine hohe Feuchtigkeit aufweisen. In Häusern, in denen die Oberflächentemperaturen annähernd gleich sind - also gleich hoch oder gleich niedrig - gibt es keinen Schimmel, weil sich die Feuchte aus der Raumluft auf alle kalten Flächen gleichmäßig verteilt. In den alten Häusern wirkten außerdem die schlecht dämmenden Fenster wie automatische Entfeuchtungsanlagen. Bei modernen, gut dämmenden Fenstern schlägt sich das Wasser nicht mehr am Fenster nieder. Stattdessen kondensiert es an den nächstgelegenen kalten Stellen, häufig im Bereich der Fensterleibungen. Schimmel ist ein Phänomen, das nicht mit Dämmung, sondern mit einem Mangel an Dämmung in Verbindung gebracht werden muss. Dämmung trägt dazu bei, dass in Gebäuden kein Schimmel wachsen kann.
Wenn in gedämmten Häusern keine Zugluft entsteht, freuen sich außerdem die Allergiker, weil die Luft viel weniger mit Staub und Allergenen belastet werden.

EnEV und Nachrüstverpflichtung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) gibt die Grenzwerte an, die die Gebäude einzuhalten haben. Es gibt grundsätzlich keine Verpflichtung ein bestehendes Gebäude zu dämmen. Die Energieeinsparverordnung enthält nur für Decken über dem obersten Stockwerk oder Dächer eine Nachrüstverpflichtung, sofern diese noch ungedämmt sind.

Denkmalschutz

Denkmalgeschützte Häuser müssen nicht gedämmt werden. Sofern die Gestaltung der Innenräume dies zulässt, kann eine Innendämmung vorgesehen werden. Innendämmungen führen jedoch dazu, dass der Wärmestrom durch die Aussenwand stark reduziert wird. Putzfassaden benötigen diesen Wärmestrom zur Abtrocknung. Deshalb ist eine große Vorsicht angebracht.

Brandschutz gedämmter Gebäude

In den letzten Jahren sind einige Fälle bekannt geworden von Bränden an Häusern mit gedämmten Fassaden. Die Brandschutzsysteme wurden daraufhin von verschiedenen Stellen nochmals wissenschaftlich überprüft und die Ergebnisse wurden in Fachkreisen diskutiert. Es wurde festgestellt, dass die Wärmedämmverbundsysteme keinen Anlass zur Beunruhigung geben.

Das Ende der Architektur

Mit Wärmedämmverbundsystemen verkleidete Gebäude sehen so aus, wie sie auf den Bildschirmen der Architekten geplant werden. Teilweise kann man diesen Schachteln ansehen, mit welchem CAD-Programm gearbeitet wurde. Das Ende der Architektur wird nicht durch die Einführung der WDVS eingeläutet, sondern durch Architekten und Ingenieure. Wer nicht mehr zwischen virtueller Darstellung und Wirklichkeit unterscheiden kann, weiß auch nichts von Körperbewußtsein und haptischer Wahrnehmung. Architektonische, funktionale und bautechnische Übergangs- und Sprachlosigkeit wird dem Publikum dargeboten als Reduktion auf Wesentliches. Das Ende der Architektur ist eingetreten, als "Architektur" auf die grafische Darstellung beschränkt wurde. Es ist anzunehmen, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird, weil die Beherrschung komplexer Programme die Aufmerksamkeit von den architektonischen Fragen ablenkt.

Gedämmte Gebäude im Sommer

Der sommerliche Wärmeschutz verdient bei gedämmten Gebäuden mehr Aufmerksamkeit als bei nicht-gedämmten Gebäuden. Durch die Fenster tritt im Sommer Wärmestrahlung ein, die zur Aufladung des Gebäudes führen kann. Sonnenschutzvorrichtungen wie Rollladen, Markisen, oder Raffstores gehören deshalb zur Grundausstattung eines gedämmten Hauses.

Lüften in gedämmten Gebäuden

Die Möglichkeit des Energiesparens durch Erhöhung der Dämmschichtdicke sind aus physikalischen Gründen begrenzt. Wesentliche Einsparungen werden ab einer Dämmschichtdicke von 12 - 14 cm durch Wärmerückgewinnungssystem erzielt. Hierbei wird die Wärme der Innenluft des Gebäudes dazu genutzt die angesaugte Frischluft vorzuheizen.
Gut gedämmte Gebäude sind im Vergleich mit der alten Bauweise weitestgehend luftdichte Gebäude. Eine manuelle Lüftung über Fenster ist jederzeit möglich. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass Gebäude mit automatischen Lüftungsanlagen den notwendigen Luftwechsel zuverlässiger herstellen und die Nutzung von Staub- und Pollenfiltern sowie der bereits erwähnten Wärmerückgewinnung zusätzliche Anreize bilden.

Fazit

Es ist unabhängig vom ökonomischen Nutzen in jedem Fall sinnvoll Gebäude zu dämmen. Zu den praktischen Aspekten der energetischen Sanierung lesen Sie bitte:
"Energetische Sanierung"


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