DIN 18599

Die DIN 18599 stellt eine Methode zur Bewertung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zur Verfügung, wie sie nach Artikel 3 der Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Gesamteffizienz von Gebäuden (EPBD) ab 2006 in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) gefordert ist. Sie wurde mit der Energieeinsparverordnung 2007 erstmals dazu eingesetzt Energieausweise für Nicht-Wohngebäude zu erstellen.



Die DIN V 18599 besteht aus 11 Teilen:
  • Teil 1:  Allgemeine Bilanzierungsverfahren, Begriffe, Zonierung und Bewertung der Energieträger
  • Teil 2:  Nutzenergiebedarf für Heizen und Kühlen von Gebäudezonen
  • Teil 3:  Nutzenergiebedarf für die energetische Luftaufbereitung
  • Teil 4:  Nutz- und Endenergiebedarf für Beleuchtung
  • Teil 5:  Endenergiebedarf von Heizsystemen
  • Teil 6:  Endenergiebedarf von Lüftungsanlagen, Luftheizungsanlagen und Kühlsystemen für den Wohnungsbau
  • Teil 7:  Endenergiebedarf von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen für den Nichtwohnungsbau
  • Teil 8:  Nutz- und Endenergiebedarf von Warmwasserbereitungsanlagen
  • Teil 9:  End- und Primärenergiebedarf von stromproduzierenden Anlagen
  • Teil 10:  Nutzungsrandbedingungen, Klimadaten
  • Teil 11:  Gebäudeautomation

Mit Hilfe der DIN 18599 werden alle Energieströme, die innerhalb eines Gebäudes zum Zweck des Heizen, Kühlens, der Lüftung, der Warmwassererzeugung und der Beleuchtung entstehen, erfasst. Die DIN 18599 berücksichtigt Energieverluste ("Senken") und Energiegewinne ("Quellen").

Energie, die für die Durchführung von Aktivitäten oder Arbeitsprozessen notwendig ist, wird nicht berücksichtigt. Also weder die Energie für den Fernseher zu Hause noch den Plasmaofen in der Härterei. In der Praxis ergeben sich hieraus Schwierigkeiten, weil die Energieströme häufig nicht getrennt darstellbar sind.

Die DIN 18599 ist vom Anspruch und vom Ansatz her geeignet alle Arten von Gebäuden zu berechnen. Für Werkstattgebäude, Verwaltungsgebäude, Produktionsstätten usw. stellt die DIN 18599 das einzige Modell dar. Energetische Bilanzierungen für Wohngebäude werden nach wie vor nach DIN 4108-6 / DIN 4701-10 durchgeführt, weil dieses Verfahren einfacher zu handhaben ist.

Software

Die DIN 18599 umfasst ca. 900 Seiten und ist so komplex, dass sie nur mit Hilfe von Computerprogrammen hantierbar ist. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik IPB entwickelte einen Rechenkern, auf dem alle Anbieter von 18599 - Programmen aufbauen. Der verbliebene Interpretationsspielraum führte in den vergangenen Jahren dazu, dass es bei gleichen Dateneingaben erhebliche Unterschiede im Ergebnis gab und die Anwendung der DIN 18599 durch die KfW zeitweise ausgesetzt wurde. Führende Software-Hersteller haben sich im Jahr 2009 in der "18599 Gütegemeinschaft" zusammengefunden und die Schwierigkeiten gemeinsam behoben.

Referenzgebäudemodell

Für die Berechnungen der DIN 18599 wurde das Referenzgebäudemodell entwickelt. Demnach berechnet das Programm intern ein Gebäude mit exakt der gleichen Geometrie und Anlagentechnik in einer "Referenzausführung". Auf Grundlage dieser interne Berechnung entstehen die einzuhaltenden Grenzwerte für das Gebäude.
Die Anforderungen sind in der EnEV festgelegt und können in den Anlagen 2 und 3 in Tabellen gefunden werden. Von der Aussenwand bis zur Gebäudeautomation werden alle energetisch relevanten Bereiche normiert. Diese Normierung ist im Detail für den Planer durchaus "sportlich" und hat erheblichen Einfluss auf die architektonische Planung. Fassaden mit hohem Glasanteil sind nicht oder nur schwer realisierbar.







Zonierung

Während bei einfachen Gebäuden, wie zum Beispiel bei Wohngebäuden, von EINER Gebäudehülle und von EINER Anlagentechnik ausgegangen wird, berücksichtigt die DIN 18599 den Umstand, dass es bei komplexeren Gebäuden Zonen unterschiedlicher Nutzung und unterschiedlicher Klimatisierung gibt, sodass Energieströme zwischen den verschiedenen Zonen entstehen. Das Gebäude wird aufgeteilt, und die energetischen Eigenschaften jeder Zone werden gesondert untersucht. Hierdurch werden die Berechnungen sehr aufwändig.
Da Fehler wegen der Komplexität der Berechnung im Nachhinein nur schwer zu finden sind, sollte die geometrische Erfassung der Hüllflächen grafisch vorgenommen werden, um eine Kontrolle zu ermöglichen. Die Bearbeitung erfordert hohe Konzentration. Fehler können nur durch streng methodische Arbeitsweise vermieden werden.

Nutzungsprofile

Unterschiedliche Nutzungsweisen führen zu einem unterschiedlichen Energiebedarf. Zum Beispiel wird in Wohnungen viel Wasser erwärmt, in Büros hingegen nicht. Oder in einem Lagerraum wird weniger Licht benötigt als an einem Arbeitsplatz. Zur Abbildung der energetischen Anforderungen stellt die DIN 18599 43 verschiedene "Nutzungsprofile" bereit, vom Einzelbüro bis zur Lagerhalle. Diese Profile müssen verwendet werden und können nicht an die tatsächliche Nutzungsweise angepasst werden. Es gibt zwar das freie "Profil Nr.17". Dieses darf aber nur in begründeten Fällen verwendet werden, zum Beispiel, wenn ein Dreischichtbetrieb vorgesehen ist. Es ist empfehlenswert die funktionale Differenzierung auf ein Minimum zu beschränken, weil eine Aufsplitterung in Nutzungseinheiten mit enormen Mehraufwand verbunden ist und der Gewinn sich nicht wesentlich im Ergebnis bemerkbar macht.



Gebäudetechnik

Die Arbeit mit der DIN 18599 erfordert zusätzlich zu den Kenntnissen vom Hochbau nicht unerhebliche Kenntnisse der technischen Gebäudeausrüstung. Die Differenzierungen, die an dieser Stelle vorgenommen werden, sind für Architekten und Bauingenieure häufig nicht nachzuvollziehen und erfordern Rückfragen bzw. Abstimmungen mit den TGA-Planern. Und dennoch bleibt eine Diskrepanz zwischen dem Detailanspruch der DIN 18599 auf der einen Seite und dem Fehlen von ganz normalen Systemen der Anlagentechnik, die dann nicht abgebildet werden können. Arbeiten mit der DIN 18599 erfordert den Mut zur Lücke und es ist empfehlenswert sich diesen Mut durch regelmäßige Beteilung an Fortbildungsseminaren zu holen.

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